Was geschah wirklich mit Baby Jane?


Was geschah wirklich mit Baby Jane?

Übersicht:

Einst war Baby Jane Hudson ein gefragter Kinderstar - als erwachsene Frau hatte sie jedoch nie Erfolg. Ihre Schwester Blanche hingegen wurde ein gefeierter Filmstar, der groß Karriere machte. Doch dann kam es zu einem entsetzlichen, und gleichzeitig mysteriösen Autounfall. Seitdem kann Blanche nicht mehr gehen. Ihre Schwester Jane kümmert sich nun „liebevoll“ und „aufopfernd“ um sie. Doch Liebe ist schon lange nicht mehr im Spiel. Hass und Verachtung stehen an der Tagesordnung. Die schwer psychisch angeschlagene Jane demütigt ihre Schwester, wo sie nur kann...

Stimmen 214 (7,9/10)

Laufzeit: 134 Minuten

Release-Datum 1962-10-31

Budget: $980,000.00

Tagline: Schwester, Schwester, oh so schön, warum ist dort Blut überall in deinem Haar?

Produktionsfirma:

  • Seven Arts Productions
  • Warner Bros.
  • Associates & Aldrich Company, The

Produktionsland:

  • United States of America

Genres:

  • Drama
  • Horror
  • Thriller

Weitere Informationen

Baby Jane Hudson
Bette Davis
Bette Davis
Blanche Hudson
Joan Crawford
Joan Crawford
Edwin Flagg
Victor Buono
Victor Buono
Marty Mc Donald
Wesley Addy
Wesley Addy
Baby Jane Hudson, in 1917
Julie Allred
Julie Allred
Cora Hudson
Anne Barton
Anne Barton
Dehlia Flagg
Marjorie Bennett
Marjorie Bennett
Ben Golden
Bert Freed
Bert Freed
Mrs. Bates
Anna Lee
Anna Lee
Elvira Stitt
Maidie Norman
Maidie Norman
Ray Hudson
Dave Willock
Dave Willock
Lunch counter assistant at beach
William Aldrich
William Aldrich
Police Officer
Russ Conway
Russ Conway
Bank teller
Maxine Cooper
Maxine Cooper
Dr. Shelby
Robert Cornthwaite
Robert Cornthwaite
Clerk in Newspaper Classified Ad Department
Bobs Watson
Bobs Watson
Director
Robert Aldrich
Robert Aldrich
Novel
Henry Farrell
Henry Farrell
Screenplay
Lukas Heller
Lukas Heller
Producer
Robert Aldrich
Robert Aldrich
Executive Producer
Kenneth Hyman
Kenneth Hyman
Original Music Composer
Frank De Vol
Frank De Vol
Director of Photography
Ernest Haller
Ernest Haller
Editor
Michael Luciano
Michael Luciano
Additional Music
Ruby Raksin
Ruby Raksin
Additional Music
Sidney Cutner
Sidney Cutner

Kalla Malla

In einer heruntergekommenen Villa in Hollywood leben die beiden vergessenen Stars Baby Jane Hudson (Bette Davis) und ihre Schwester Blanche (Joan Crawford). Unter dem Künstlernamen »Baby Jane« war die Jüngere in der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs ein gefeierter Kinderstar. Doch während sie älter wurde, verblasste ihre Berühmtheit mit der Zeit. Stattdessen machte ihre Schwester Blanche Karriere und erwies sich als talentierte Schauspielerin. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhm jedoch erlitt sie einen mysteriösen Autounfall und ist seit damals an den Rollstuhl gefesselt. Jane kümmert sich um ihre Schwester, doch dabei verliert sie zunehmend den Kontakt zur Realität. Sie unternimmt immer mehr Anstrengungen, Blanche zu kontrollieren und sie komplett von der Außenwelt abzuschotten. Jane macht Blanche nun ganz offen für das Scheitern ihrer eigenen Karriere verantwortlich. Aus geschwisterlicher Eifersucht wird blanker Hass... »Was geschah wirklich mit Baby Jane?« aus dem Jahr 1961 war ein Riesenerfolg beim Publikum, hat die stagnierenden Karrieren seiner Stars Bette Davis und Joan Crawford neu belebt und eine ganze Welle von Schockern ins Leben gerufen, in denen die großen alten Hollywood-Damen axtschwingend und mordend auf die Leinwand zurückkehrten. Was Aldrich inszenierte, ist nicht einfach ein exzellenter psychologischer Horrorfilm, der einem guten Hitchcock in nichts nachsteht. »What Ever Happened to Baby Jane?« ist eine delikate und präzise psychologische Studie über zwei Schwestern, die sich gegenseitig das Leben zur Hölle gemacht haben, ein Film über unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte, die sich zwanghaft in die Seelen der beiden Frauen eingeschrieben haben. Für den Zuschauer der Tragödie wechseln Sympathie und Mitgefühl, Abscheu und Verachtung zwischen den beiden Protagonisten des Dramas hin und her. Denn Blanche, die in ihrer hilflosen Situation ihrer Schwester offensichtlich gnadenlos ausgeliefert ist, ergreift nicht die Chance, über ihre Haushälterin Elvira, den einzigen Kontakt zur Außenwelt, dem Drama ein Ende zu setzen und Baby Jane, die offensichtlich psychisch krank ist, in eine Klinik einweisen zu lassen. Andererseits ist Baby Jane zwar eine hasserfüllte, offenbar zu allem entschlossene Frau, die vor nichts zurückschreckt, um ihre Schwester zu demütigen. Andererseits wirkt sie hilflos, klein und bemitleidenswert, etwa dann, als etwas Furchtbares geschehen ist. Und letztendlich liegt in der Tragödie ein Geheimnis versteckt, dass der Geschichte eine ganz andere Sichtweise aufdrängt. Die Kooperation zwischen Bette Davis und Joan Crawford ist exzellent, unterstützt von einem damals noch unbekannten Victor Buono als Pianisten, der Komik in die Szenerie bringt. Buono, groß, gewichtig, neben Marjorie Bennett, die seine Mutter spielt, ein Riese, spielt diesen Mr. Flagg als einen Mann, der es versteht, seine wahren Gedanken vor Baby Jane zu verstecken. Seinem Gesicht ist anzusehen, was er von der alten Dame hält, aber er macht ihr Komplimente und lässt sich des Geldes wegen auf das groteske Spiel ein. Daneben agiert Maidie Norman als Haushälterin, die mit beiden Füßen im Leben steht und sich nichts vormachen lässt, die aber Baby Janes Entschlusskraft unterschätzt. Zu nennen wäre zudem Anna Lee als neugierige, aber zugleich besorgte Nachbarin der Hudsons, die neben Buono und Norman die Außenwelt repräsentiert, die der versponnenen Innenwelt der Schwestern gegenübersteht. Robert Aldrichs Genialität wurde lange nicht anerkannt, sogar »Baby Jane« wurde beim Start von Kritikern in der Luft zerrissen, doch hat das dem Erfolg keinen Abbruch getan. Aldrich spielt mit verschiedenen Motiven, von »Sunset Boulevard« bis zu Hitchcocks »Psycho« (ohne den »Baby Jane« undenkbar wäre) und serviert deftige Schocks wie etwa eine tote Ratte als Hauptgang für die kranke Blanche. Die im Grunde völlig unglaubwürdige, melodramatische Geschichte wird durch konstante Wendungen und Überraschungen auf Hochspannung gehalten, Logiklöcher werden einfach ignoriert (warum ruft Blanche nie um Hilfe?), beinahe sämtliche Charaktere sind grotesk überzeichnet, und dazu entwirft Aldrich ein deprimierendes Bild von Hollywood, von verzweifelten Menschen in einer hässlichen, abgewrackten Traumwelt. Letztlich gehört der Film aber Bette Davis, die mit einer geradezu atemberaubenden Vorstellung den Wahnsinn ihrer Figur und die Tragik des gescheiterten Kinderstars zum Ausdruck bringt. Sie wirft sich mit Haut und Haar in ihre Rolle, ihre Gestik, Stimme, ihr Mut zu totaler Hässlichkeit (angeblich hat Davis ihr furchterregendes Make Up selbst entworfen) sind bewundernswert und haben ihr eine verdiente Oscar-Nominierung eingebracht. Ihre Darstellung ist so herrlich übertrieben, dass sie bis heute gerne parodiert wird. Der besondere Reiz des Films liegt natürlich im Aufeinandertreffen von Davis und Crawford, die zeitlebens Konkurrentinnen waren. Crawford, die in so vielen Filmen die leidende Liebende spielte, hatte nie mehr zu leiden als unter Davis' psychischer und physischer Folter in »Baby Jane«. »Was geschah wirklich mit Baby Jane?« wurde von der Kritik gefeiert und 1963 für fünf Oscars nominiert, darunter Bette Davis zum zehnten Mal. Crawford selbst soll außer sich vor Wut gewesen sein, als sie erfuhr, dass sie für ihren Part der Blanche Hudson nicht zu den Oscar-Nominierten zählte. Sie hatte im Vorfeld der Preisverleihung gegen Bette Davis Nominierung intrigiert. Der Film bekam einen Oscar für die besten Kostüme. Zwei Jahre später sollte ein Sequel mit ähnlicher Geschichte und vom gleichen Regisseur folgen. Doch Joan Crawford erkrankte am Anfang der Dreharbeiten zu »Wiegenlied für eine Leiche« und wurde durch Bette Davis langjährige Freundin Olivia de Havilland ersetzt. Zickenkrieg während der Dreharbeiten: Während einer Filmsequenz in der Jane auf Blanches Kopf eintritt, wurde Joan Crawford tatsächlich verletzt. Die resultierende Wunde musste mit mehreren Stichen genäht werden. Als Vergeltung stattete Crawford ihre Kleidung mit zusätzlichen Gewichten in ihren Taschen aus, damit eine Szene in der Bette Davis Crawfords scheinbar leblosen Körper trägt, für Davis zusätzlich erschwert wurde. Angeblich soll auf Geheiss von Bette Davis auch ein Coca Cola-Automat auf dem Filmset aufgestellt worden sein, wohl wissend, dass der Ehemann Joan Crawfords Präsident der konkurrierenden Marke Pepsi war. Andere Quellen berichten jedoch, dies sei erst bei den Dreharbeiten zu »Wiegenlied für eine Leiche« geschehen. Fazit: Ein Genre-Klassiker auf der ganzen Linie, der für reichlich Gänsehaut sorgt, und das ohne Effekthascherei. Mit einem Wort: brillant!

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