Kirschblüten - Hanami


Kirschblüten - Hanami

Übersicht:

Trudi muss eine niederschmetternde Diagnose verdauen: Ihr Mann Rudi leidet unter Krebs im Endstadium. Sie verschweigt dem Kranken das Schreckliche, überredet ihn zu einem Besuch bei Kindern und Enkelkindern in Berlin, zu ein paar stillen Tagen an der Ostsee. Doch das Schicksal schlägt eine unerwartete Kapriole, nicht Rudi stirbt, sondern Trudi. Erst da erfährt der Witwer von den vergessenen Sehnsüchten seiner Frau, die gerne nach Japan gereist wäre. Er sieht sie mit anderen Augen, macht sich auf nach Nippon.

Stimmen 33 (7,7/10)

Laufzeit: 121 Minuten

Release-Datum 05.03.2008

True

Webseite: Link

Produktionsfirma:

  • Majestic Filmproduktion

Genres:

  • Drama
  • Liebesfilm

Weitere Informationen

Rudi
Elmar Wepper
Elmar Wepper
Trudi
Hannelore Elsner
Hannelore Elsner
Franzi
Nadja Uhl
Nadja Uhl
Karl
Maximilian Brückner
Maximilian Brückner
Yu
Aya Irizuki
Aya Irizuki
Karolin
Birgit Minichmayr
Birgit Minichmayr
Klaus
Felix Eitner
Felix Eitner
Emma
Floriane Daniel
Floriane Daniel
Celine
Celine Tanneberger
Celine Tanneberger
Robert
Robert Döhlert
Robert Döhlert
Butoh- Tänzer
Tadashi Endo
Tadashi Endo
Director
Doris Dörrie
Doris Dörrie
Screenplay
Doris Dörrie
Doris Dörrie
Producer
Molly von Fürstenberg
Molly von Fürstenberg
Producer
Harald Kügler
Harald Kügler
Director of Photography
Hanno Lentz
Hanno Lentz
Costume Design
Sabine Greuning
Sabine Greuning
Editor
Inez Regnier
Inez Regnier
Editor
Frank C. Müller
Frank C. Müller
Executive Producer
Patrick Zorer
Patrick Zorer
Assistant Director
Ruth Stadler
Ruth Stadler
Original Music Composer
Claus Bantzer
Claus Bantzer

Kalla Malla

Rudi und Trudi Angermeier sind seit vielen Jahren verheiratet und leben ein harmonisches, wenn auch ereignisloses Leben in der bayrischen Provinz. Als ein Arzt Trudi eines Tages offenbart, dass ihr Mann an Krebs erkrankt ist und voraussichtlich nicht mehr lange zu leben hat, legt dieser ihr gleich noch ans Herz, dass die beiden am Besten noch einmal etwas gemeinsames unternehmen sollten. Ohne ihrem Mann den wahren Grund zu nennen, reisen die beiden daraufhin zu ihren Kindern nach Berlin, wo sie von ihren gestressten Sprößlingen allerdings nicht mit der erwarteten Freude aufgenommen werden. Gerne würde Trudi auch noch ihren Sohn Karl in Tokio besuchen, konnte sie sich doch schon immer für die fernöstliche Kultur begeistern und trug den Wunsch, nach Japan zu Reisen, um dort die Kunst des Butohtanzes zu erlernen, schon lange in sich. Als Trudi dann jedoch völlig unerwartet stirbt, fällt Rudi, der noch immer nichts von seiner tödlichen Erkrankung weiß, aus allen Wolken. Völlig traumatisiert reist er daraufhin kurzerhand mit einigen von Trudi's Sachen nach Tokio, um dort ihre Träume für sie zu verwirklichen. In der 18 jährigen Butohtänzerin Yu findet Rudi schließlich eine vom Schicksal ähnlich geprüfte Freundin, mit deren Hilfe er seinen Lebensmut wiedergewinnt... Wie definiert man ein Meisterwerk? Ist es der Eindruck, der noch lange nach dem Abspann im Zuschauer haften bleibt und einen den Film noch viele Male vor dem inneren Auge durchleben lässt oder beläuft sich die Gewinnung der Tatsache, eines wahrhaft großartigen Film ansichtig geworden zu sein vielmehr darauf, dass in diesem inszenatorisch und erzähltechnisch ganz objektiv alles hervorragend gemacht wurde? Wie auch immer man zu seiner eigenen Definition eines Meisterwerkes stehen mag, das deutsche Drama Kirschblüten - Hanami aus dem Jahre 2008 hat sich diese Bezeichnung mehr als nur verdient. Verständlich, dass sich da bei näherer Betrachtung nicht irgendwer, sondern ein bekannter Name wie Doris Dörrie auf dem Regieposten findet, die mit Filmen wie Nackt oder Der Fischer und seine Frau in den letzten Jahren schon mehrmals auf sich aufmerksam machen konnte, hiermit aber nun ihr persönliches Glanzstück abgeliefert hat. In anrührend harmonischen und vor allem durchgehend lebensnahen Bildern erzählt Dörrie in Kirschblüten - Hanami die bewegende Geschichte eines in die Jahre gekommenen Ehepaares, in der elementare Themen wie der Tod eines Angehörigen, die Sinnhaftigkeit des Lebens und das Suchen und Festhalten von Träumen in einer derartig melancholischen Schönheit behandelt werden, dass es einem ein ums andere Mal die Tränen in die Augen treibt. Mit 122 Minuten erscheint dieses ergreifende, aber zu keinem Zeitpunkt kitschige Drama im ersten Moment dabei ein wenig lang geraten, doch schnell stellt sich heraus, dass von Dörrie, die auch das Drehbuch schrieb, keine Minute falsch eingeplant wurde. Das erste Drittel des Films dient dabei vor allem der Veranschaulichung der Charaktere und deren Lebensstils. Rudi und Trudi Angermeier sind ein altes Ehepaar, wie es typischer nicht sein könnte und sprühen geradezu vor Wiedererkennungswert und Herzlichkeit. Er ist ein Beamter, der seinen gewohnten Tagesablauf zu schätzen gelernt hat und am Liebsten niemals aus dieser Routine ausbrechen würde. Sie hingegen hat ihre lange gehegten Träume von fernen Ländern ihm zuliebe aufgegeben und erkennt erst mit der ernüchternden Nachricht seines bevorstehenden Todes, wie monoton ihr gemeinsames Leben bis zu diesem Zeitpunkt verlaufen ist. Von diesem Moment an könnte Kirschblüten - Hanami dann garnicht direkter aus dem Leben gegriffen sein und punktet vor allem durch die erstaunliche Normalität des Dargestellten. Die Reise zu ihren Kindern führt Rudi und Trudi zu der ernüchternden Erkenntnis, dass sie ihre eigenen Sprößlinge im Grunde garnicht mehr kennen. Die Tochter lebt mit einer Frau zusammen, der Sohn kann sich zwischen seinen Geschäftsterminen kaum Zeit für seine Eltern nehmen und die Enkelkinder sind verzogen. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnet Dorrie erste Anflüge von Melancholie ins Gesamtbild des Films, welche jedoch immer wieder mit aufheiternden, dabei aber nie unglaubwürdigen Szenen ausgeglichen wird, etwa wenn das alte Ehepaar gemeinsam vor einem Fahrkartenschalter steht und dabei hilflos verloren wirkt oder wenn sie von den überforderten Enkelkindern schon um 18:00 Uhr ins Bett geschickt werden. Spätestens mit dem Tod von Trudi, die man als Zuschauer längst ins Herz geschlossen hat, nimmt Kirschblüten - Hanami erstmals absolut bewegende Züge an und schickt den völlig aufgelösten Rudi auf eine Reise nach Japan und zugleich durch sein gesamtes, zurückliegendes Leben mit seiner Frau. Im Land der aufgehenden Sonne erwartet den Zuschauer schließlich das reinste Culture Clash, das einem erstmals wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert und der in dieser Hinsicht einen Lost in Translation locker in den Schatten stellt. In der riesigen, pulsierenden Millionenstadt Tokio wirkt der gutmütige Bayer Rudi wie der reinste Fremdkörper und gleichso hoffnungslos verloren, weshalb er auch von seinem Sohn Karl immer wieder wie ein kleines Kind zurechtgewiesen wird, bloß nicht dessen Wohnung zu verlassen. Auch das Publikum wird dabei sofort in die Faszination für diese berauschende, facettenreiche Stadt hineingerissen und begleitet Rudi auf seinen lethargischen Erkundungszügen zu Striplokalen und nackten Masseusen, die ihn jedoch nicht einmal ansatzweise aufmuntern. In seiner Trauer beschließt der Rentner schließlich, im Gedenken an seine verstorbene Frau deren Träume zu verwirklichen. Während es in den ersten Momenten noch recht befremdlich wirkt, Rudi in den Kleidern seiner Trudi zu sehen, rettet die makellose und stimmige Inszenierung von Seiten Dörrie's den Film hier vor jedem unangebrachten Anflug unfreiwilliger Komik. Die gezeigten Bilder Japans sind dabei geradezu berauschend. Egal ob nun eine Park voller Kirschblütenbäume in voller Pracht oder der imposante Fuji-san in der ersten Morgendämmerung, alles kommt in solch bezaubernder Postkartenschönheit daher, dass alleine das schon ausreichen würde, um Kirschblüten - Hanami sofort ins Herz zu schließen. Doch auch die tiefsinnige Geschichte wird konstant weitergesponnen. Während Rudis Erkrankung sich langsam bemerkbar macht, freundet dieser sich mit einem obdachlosen Mädchen an, erlernt den Butohtanz und erhält so seine Lebensfreude zurück. Doris Dörrie setzt ihr Publikum konstant in eine Achterbahn der Gefühle, die von Traurigkeit, über Freude, bis hin zu tiefer Rührung reicht und die 122 Minuten wie im Fluge vergehen lassen. Die schauspielerischen Leistungen sind dabei geradezu fabelhaft und lassen einen zu keiner Sekunde an der Glaubwürdigkeit der Charaktere zweifeln. Elmar Wepper spielt mit Rudi Angermeier zweifellos die Rolle seines Lebens und verkörpert den trauernden Witwer, der seinen eigenen Kindern zur Last wird und schließlich an der Seite einer weisen jungen Frau zum Lebensmut zurückfindet, geradezu brilliant. Hannelore Elsner hingegen versprüht in der ersten Hälfte des Films eine solche Ausstrahlung und eine solche ehrliche Liebenswürdigkeit, dass ein jeder darin vermutlich die ein oder andere Facette seiner eigenen Mutter wiederkennen wird, was die Trauer über den Tod dieses Charakters absolut verständlich und zugänglich macht. Eine weitere, wichtige Rolle wird schließlich von Aya Irizuki verkörpert, welche die lebenslustige und gutmütige Yu derart überzeugend mimt, dass man kaum glauben mag, dass dies ihre erste Rolle in einem Film war. Fazit: Mit Kirschblüten - Hanami liefert Dorris Dörrie alles in allem wunderschönes Gefühlskino auf höchstem Niveau, das zudem mitten aus dem Leben gegriffen scheint und das deutsche Kino somit endlich wieder attraktiv macht. Zu einer bewegenden Geschichte gesellen sich eindrucksvolle Landschaftsbilder von berauschender Schönheit, sowie ein alles abrundender, ans Herz gehender Soundtrack. Langeweile entsteht in dem zweistündigen Drama zudem zu keiner Minute, was letztendlich somit keinen Zweifel mehr daran aufkommen lässt, dass es sich bei Kirschblüten - Hanami um ganz großes Arthousekino aus deutschen Landen handelt.

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