In My Skin


In My Skin

Übersicht:

Esther ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und lebt in einer glücklichen Beziehung. Ihre Umwelt und sie selbst geraten allerdings außer Kontrolle, als Esther beginnt, ihren Körper immer wieder absichtlich zu verletzen und dabei Lust zu empfinden.

Stimmen 45 (6,3/10)

Laufzeit: 93 Minuten

Release-Datum 2002-12-04

Produktionsland:

  • France

Genres:

  • Drama
  • Horror

Weitere Informationen

Esther
Marina de Van
Marina de Van
Vincent
Laurent Lucas
Laurent Lucas
Sandrine
Léa Drucker
Léa Drucker
Daniel
Thibault de Montalembert
Thibault de Montalembert
La cliente
Dominique Reymond
Dominique Reymond
Client
Bernard Alane
Bernard Alane
Henri
Marc Rioufol
Marc Rioufol
Pierre
François Lamotte
François Lamotte
L'intern
Adrien de Van
Adrien de Van
Le pharmacien
Alain Rimoux
Alain Rimoux
Director
Marina de Van
Marina de Van
Screenplay
Marina de Van
Marina de Van
Producer
Laurence Farenc
Laurence Farenc
Original Music Composer
Esbjorn Svensson
Esbjorn Svensson
Director of Photography
Pierre Barougier
Pierre Barougier
Editor
Mike Fromentin
Mike Fromentin
Casting
Brigitte Moidon
Brigitte Moidon
Production Design
Baptiste Glaymann
Baptiste Glaymann
Costume Design
Marielle Robaut
Marielle Robaut

Kalla Malla

Eines Nachts passiert der mitten im Leben stehenden Analystin Esther (Marina de Van) etwas Seltsames: Nach einer Party torkelt sie in der Dunkelheit über eine Baustelle und fügt sich dabei eine leichte Fleischwunde am Bein zu. Zu ihrer eigenen Überraschung spürt Esther kaum Schmerzen, im Gegenteil. Die Wunde öffnet eine neue, bislang unbekannte Bewusstseinsebene in Esther. Immer wieder schneidet sie die verheilende Wunde auf, beschäftigt sich fortan mit der Verletzbarkeit ihres Körpers und beginnt, sich auch anderweitig zu verstümmeln. Vor ihrem Freund Vincent (Laurent Lucas), mit dem Esther schon seit langem Pläne für ein gemeinsames Haus schmiedet, kann sie ihren Hang zur Selbstverletzung nur schwerlich geheim halten. Immer öfter drängt es sie dazu, ihre Haut mit spitzen Gegenständen zu öffnen, was in ihrem Umfeld nicht auf Verständnis stößt und sie immer mehr in die Isolation treibt... Die Thematik des selbstverletzenden Verhaltens (SVV) ist ein durchaus heißes Eisen, da viele Menschen davon betroffen sind. Die Bestrafung des eigenen Körpers aufgrund von Borderline und darin mündenden Autoaggressionen oder in Folge von starken Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen ist ein aktuelles Thema, unter dem viele Menschen leiden. Dennoch gibt es erstaunlich wenig Filme darüber, von allzu selbstzweckhaften Splatterproduktionen à la "Guinea Pig: He Never Dies" natürlich mal abgesehen. Nun nahm sich die heute 35 jährige Französin Marina de Van im Jahr 2003 des Ganzen an und schuf als Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin zugleich den Film "Dans ma peau" oder auch "In My Skin", der die Selbstverstümmelungs-Obsession einer mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau zum Thema hat. de Van war auch zuvor schon als Regisseurin aktiv, konnte aber mit keiner ihrer Produktionen für viel Bekanntheit sorgen, sondern machte sich eher als Schauspielerin einen Namen. "In My Skin" betreibt keineswegs oberflächlichen Ekel-Voyerismus, sondern geht in seiner Darstellungsweise im wahrsten Sinne unter die Haut. Marina de Van konfrontiert ihr Publikum mit einem Drama, einem blutigen in der Tat, das zum Nachdenken verleitet und nicht einfach so nebenbei gesehen werden kann. Es ist die Frage nach dem Warum, die hier über allem im Raum schwebt und den ganzen Film über nicht beantwortet wird. Man erfährt nicht, wieso sich eine gutaussehende, die Karriereleiter nach oben kletternde Frau derart selbst verletzt und verstümmelt. Es wird allgemein nicht viel erklärt, die Kunst ist es vielmehr, sich die Antworten aus dem Ungesprochenen zu suchen, zwischen den Zeilen zu lesen. "In My Skin" kann nur dann funktionieren, wenn man ihn nicht als Ekelmarathon oder stumpfe Blutorgie betrachtet, denn ein solches Werk abzuliefern war sicherlich nicht die Intention Marina de Van's. In erster Linie ist der Streifen eine Charakterstudie erster Güte, die einem unvermittelt eine etwa 30 jährige Frau präsentiert und in deren Gefühlswelt eintauchen lässt. Wir erfahren über Esther nur das Nötigste. Sie scheint ein Workaholic zu sein, die Tag und Nacht für ihre Arbeit lebt, welche viel von ihr fordert. Ihr Lebensabschnittsgefährte Vincent ist beruflich erfolgreich und gutaussehend, findet aber keinen Zugang zu Esther. Die Beziehung der Beiden scheint eher körperlicher, als platonischer Natur zu sein. So lässt sich nur erahnen, was Esther dazu treibt, nach ihrer Beinverletzung einen Wundenfetisch zu entwickeln, der sie in eine völlig neue Welt einführt. Blut und Schmerzen scheinen Esther zu befreien und zu erregen, wie eine Droge zur Abhängigkeit zu verleiten. So verletzt sich Esther immer häufiger und heftiger, in einer eindrucksvollen Szene des Films sogar mit Messer und Gabel still und heimlich während eines Geschäftsessens. "In My Skin" ist durchaus keine leichte Angelegenheit für den Zuschauer, will dies aber auch garnicht sein. Wer sich ein reines Splattermovie erhofft, darf sich nach einem anderen Film umsehen, denn Marina de Van's Werk lebt nie vom Effekt allein. Zugegeben: Es ist schon recht heftig, wenn Esther Stücke aus ihrem Fleisch herausschneidet, ihr eigenes Blut erregt auf dem ganzen Körper verteilt oder sich immer wieder spitze Gegenstände in die Haut sticht. Zur selbstzweckhaften Effektparade verkommt der Film aber nie. Selbst dann nicht, wenn sich Esther ein Stück eigene Haut konservieren lässt und sich angeregt an diesem reibt. Der Film ist viel zu ruhig und überlegt, um als Horrorfilm durchzugehen, es passiert im kompletten Filmverlauf beinahe Nichts, was Spannung aufbauen würde. Der Streifen lebt von der zentralen Figur Esther, die in vielen Facetten beleuchtet wird, letztendlich aber immer noch ein Rätsel bleibt. Geklärt wird das Warum letztendlich nicht, man kann sich nur selbst damit befassen und die Frage individuell für sich beantworten. Für viele ist "In My Skin" deshalb auch nur ein langweiliges, undurchschaubares Stück Film, und diese kritischen Stimmen kann man durchaus verstehen. "In My Skin" ist wohl nur für ein kleines Publikum geeignet und dürfte insbesondere Mainstream-Konsumenten schwer im Magen liegen. Nicht nur wegen den reichlich blutigen Szenen, sondern vor allem aufgrund der belastenden, schwermütigen Inszenierung. Szenen aus Esther's Alltag vermischen sich immer mehr mit puren Selbstzerstörungsorgien, die irgendwann in ein Fragen aufwerfendes, nicht ganz eindeutiges Ende hineinlaufen. Die Obsession zur Verunstaltung des eigenen Körpers, der Bestrafung des eigenen Fleisches, wird von "In My Skin" in überzeugenden Bildern festgehalten. Der Streifen wirkt durch ein glanzvolles Intro und eine edle Optik absolut nicht wie ein auf Blut ausgelegtes B-Movie. Stilmittel wie Splitscreens und dergleichen runden das Ganze ab. Marina de Van hat die richtige Entscheidung getroffen, sich neben der Inszenierung des Films auch für die Hauptrolle zu verantworten, denn ihre Darstellung der Esther überzeugt auf ganzer Linie. de Van agiert nicht oscarverdächtig, doch sie bringt die Frau, die ihre Neigung zur Selbstverstümmelung entdeckt, glaubhaft rüber, spielt nicht over the top, sondern stets ruhig und bedacht. Während sie sich mit spitzen Gegenständen Schmerzen zufügt ruht die Kamera oftmals statisch auf Marina de Van's Gesicht und dabei ist ihre Mimik so real, dass man den Schmerz, den sie spüren muss, schon beinahe selbst fühlen kann. Eine leichte Angelegenheit ist "In My Skin" definitiv nicht, doch das ist auch gut so. Ob allerdings ein Zugang zu dem schwermütigen und erschütternden Werk gefunden werden kann ist eine subjektive Frage, denn Filme wie dieser werden von jedem anders aufgefasst. Wer sich für derartige Streifen öffnen kann und ihnen nicht kritisch gegenübersteht, der wird mit "In My Skin" eine blutige Charakterstudie erleben, wie es sie heutzutage viel zu selten gibt. Ehrlich und nicht auf den bloßen Effekt aus. Ein Meisterwerk hat Marina de Van hiermit aber dennoch nicht abgeliefert. Unterhaltsam im eigentlichen Sinn ist der Film nicht und in geselliger Runde wäre er wohl der optimale Stimmungskiller. Dennoch spricht nichts dagegen, sich "In My Skin" zumindest mal auszuleihen.

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